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oder wie der Steinbock zum Kinde kam

Pfandland

oder wieviel Wahrheit liegt in der Weinflasche?

Juli
26

Es muss am Sommerloch liegen. Oder doch am Riesling zuviel? Der Deutsche Städtetag hat die Idee geboren und, was schlimmer ist, auch veröffentlicht, eine allgemeine Pfandpflicht einführen zu wollen, also Pfand auch auf Wein-, Sekt- und Schnapsflaschen und eventuell auch auf Pappbecher zu erheben um der Vermüllung auf Straßen und in Parks Herr zu werden. Hallo? Dass das nicht funktioniert sehen wir seit 2003. Vor immerhin 8 Jahren wurde die Pfandpflicht auf Bier-, Wasser-, Erfrischungsgetränkeflaschen und -dosen eingeführt. Mit dem Ergebnis, dass

  • das Einsammeln der Flaschen von der kommunalen orangen Stadtreinigung an die finanziell am schlechtesten stehenden übergegangen ist. Mit dem Vorteil für BSR & Kollegen, dass auch die öffentlichen Papierkörbe und damit der allgemeine öffentliche Müllberg etwas kleiner wird. Und dass
  • mit der Erfindung von Pfandflaschenannahmeautomaten die Zeit, die man in der Einkaufsstätte seines Vertrauens viel mehr Zeit verbringen muss als man vorhatte. Probleme sehe ich hier übrigens bei der Annahme von Tetrapaks. Denn Wein ist Wein und mit dieser Art Verpackung kann ich auch schön die Hasenheide vermüllen.

Aber die Frage aller Fragen, die ich mir seit 2003 stelle ist doch: Wann kommt ein Pfand auf Zigaretten? Die Vermüllung durch Zigarettenkippen all over the Republik ist doch durch nichts zu übertreffen. Ich stelle mir das so ähnlich wie bei Autobatterien vor. Bevor die Raucherin eine neue Schachtel erwerben darf gibt sie eine alte Schachtel mit Kippen ab. Falls sie das nicht: eine Stunde Harken im Tiergarten.

Und eine letzte Frage: Wie wäre es, die Menschen wieder dazu zu erziehen, statt alles irgendwo fallen zu lassen seinen Abfall in den nächsten Eimer oder Container zu werfen? Die moderne Müllaufarbeitung soll meines Wissens heute so gut funktionieren dass wir Müll eigentlich gar nicht trennen müssen. Denn eine Einwegverpackung bleibt die Weinflasche doch und auch mit Pfand käme sie in einen Glascontainer. Am Ende wird dem Verbraucher durch ein Pfand auch eine Werterhöhung vorgegaukelt. Aber da geht es der Verpackung wie den Menschen. Eine Flasche bleibt eine Flasche.

Dass aus Abfall auch schöne Sachen entstehen können, sehe ich dieser Tage bei mir vor der Haustür. Aus Kronenkorken hunderter Bierflaschen sind Bilder, fast Ikonen entstanden. Am Anfang war die Sonne, nach Regenguss und Fahrradspuren wurde sie erneuert und erweitert. Schöne Straßenkunst, und eine Straßenecke weiter wurde vor einem halben Jahr das letzte besetzte Haus Berlins gewaltvoll geräumt.

Und, was hältst du vom Pfand auf alles? Hinterlasse gerne deinen Senf (als Kommentar), aber den Müll nimm wieder mit.

Christian
Dienstag, 26. Juli 2011, 10:30

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